Landesmusikrat Sachsen-Anhalt


Aktuelles

27. April 2026

Musikpädagogische Arbeitstagung

Starke Impulse und Aufbruchsstimmung für die Musikpädagogik in Sachsen-Anhalt

Ein starker Auftakt für die Musikpädagogik im Land

Mit großer Resonanz und spürbarer Aufbruchsstimmung ist die Arbeitstagung des Landesmusikrats Sachsen-Anhalt e. V. "Nachwuchs in Nöten – Perspektiven für die Musikpädagogik" am 25. April 2026 in Halle (Saale) zu Ende gegangen. Rund 60 Teilnehmende aus allgemeinbildenden Schulen, Musikschulen, Hochschulen und Wissenschaft, der Evangelischen Hochschule für Kirchenmusik, Musikinstitutionen, Verbänden sowie der Amateurmusik kamen an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg zusammen.

Organisiert wurde die Tagung vom Landesmusikrat Sachsen-Anhalt in Kooperation mit der Grundschulpädagogik Musik der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg sowie der Landesmusikakademie Sachsen-Anhalt.

Aktuelle Forschung trifft Praxis

Im Zentrum der Tagung stand die drängende Frage, warum Musiklehrkräfte so dringend gebraucht werden – und warum es zugleich immer weniger gibt. Fachliche Impulse lieferten Prof. Dr. Andreas Lehmann-Wermser (HMTM Hannover), Prof. Dr. Eva-Maria Tralle (Universität Osnabrück), Prof. Dr. Jürgen Oberschmidt (PH Heidelberg, Präsident des Bundesverbands Musikunterricht), Eva Bolarinwa (Folkwang Universität) sowie Prof. Dr. Kerstin Weuthen (Robert Schumann Hochschule Düsseldorf).

Dabei wurden aktuelle Forschungsergebnisse aus der MULEM-ex-Studie sowie der MiKADO-Studie aufgegriffen und mit praktischen Erfahrungen verknüpft. Zugleich wurde kritisch beleuchtet, inwiefern schulischer Musikunterricht musikalisches Lernen strukturell einengen kann und welche Wege es gibt, diese Potenziale wieder zu entfalten.

Ergänzt wurden diese Perspektiven durch Best-Practice-Beispiele, unter anderem aus Nordrhein-Westfalen, die zeigen, wie junge Menschen frühzeitig in musikpädagogische Prozesse eingebunden und für entsprechende Berufsfelder begeistert werden können. Die Bedeutung solcher Vorerfahrungen wurde dabei besonders hervorgehoben, etwa durch Programme wie „Jugend-Musik-Coach“ des Sächsischen Musikrats.

Arbeiten statt nur Zuhören: konkrete Lösungen im Fokus

Die Tagung war bewusst als Arbeitstagung konzipiert: Nach den Vorträgen am Vormittag entwickelten die Teilnehmenden am Nachmittag in moderierten Arbeitsgruppen konkrete Ideen, Handlungsperspektiven und Sofortmaßnahmen. Die große Offenheit und der intensive Austausch über institutionelle Grenzen hinweg machten deutlich, welches Potenzial in stärkerer Vernetzung liegt. Bereits vor Ort wurden neue Kontakte geknüpft und erste Kooperationen angestoßen.

Vernetzung als ein Schlüssel zur Zukunft

Ein zentrales Ergebnis der Tagung war die große Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Netzwerke wurden gestärkt und erweitert – ein entscheidender Schritt, um Synergien zu nutzen und langfristig tragfähige Strukturen aufzubauen. Die Tagung hat gezeigt, wie fruchtbar der Austausch zwischen den verschiedenen Bereichen der musikalischen Bildung sein kann.

Zwischen strukturellen Herausforderungen und konkretem Handeln

Deutlich wurde: Es braucht beides. Einerseits den kontinuierlichen Dialog mit der Politik und die klare Benennung struktureller Probleme – insbesondere die unzureichende finanzielle Ausstattung musikpädagogischer Berufe. Insbesondere an Musikschulen liegt die Vergütung derzeit deutlich unter dem Niveau, das für eine langfristig attraktive und nachhaltige Berufsperspektive erforderlich ist. Ohne eine entsprechende Aufwertung wird es schwierig bleiben, ausreichend Nachwuchs zu gewinnen.

Andererseits zeigte die Tagung eindrucksvoll, wie viel bereits jetzt möglich ist. In den Arbeitsgruppen entstanden zahlreiche konkrete und pragmatische Ansätze, die direkt vor Ort und im eigenen Arbeitsumfeld umgesetzt werden können.

Leidenschaft weitergeben: warum sich der Beruf lohnt

Die Teilnehmenden waren sich einig: Die Musikpädagogik muss stärker als das sichtbar gemacht werden, was sie ist – ein Berufsfeld mit großer gesellschaftlicher Bedeutung, hoher Gestaltungskraft und außergewöhnlicher persönlicher Erfüllung. Alle Beteiligten eint die Leidenschaft für Musik und für die Arbeit mit Menschen.

Diese positive Energie war während der gesamten Tagung deutlich spürbar und soll künftig noch stärker nach außen getragen werden. Denn nur wenn es gelingt, Kinder und Jugendliche für Musik zu begeistern, kann auch langfristig Nachwuchs für musikpädagogische Berufe gewonnen werden.

Ergebnisse wirken weiter – in Politik und Praxis

Die Ergebnisse der Tagung werden in einer Online-Publikation über die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg veröffentlicht. Darüber hinaus sind digitale Nachtreffen geplant, um begonnene Prozesse weiterzudenken und weiterzuführen.

Zentrale Erkenntnisse und Forderungen aus der Tagung wird der Landesmusikrat Sachsen-Anhalt e. V. zudem in ein anstehendes Gespräch mit Vertreter:innen der Landesregierung einfließen lassen, in dem Fragen der musikalischen Bildung entlang der gesamten Bildungskette – vom Kindergarten bis zur Hochschulausbildung –vertieft werden.

Gemeinsamer Aufbruch

Die Tagung hat gezeigt: Die Herausforderungen sind groß – aber ebenso groß ist die Bereitschaft, sie gemeinsam anzugehen.